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Elektromobilität: Rechnungsprüfer zweifeln an EU-Batteriestrategie

01.04.2019 10:08 Uhr
2018 vereinte die EU nur rund drei Prozent der weltweiten Kapazität zur Batterieherstellung.
© Foto: malp / stock.adobe.com

Die mit Milliardensummen geförderte Akku-Fertigung für Elektroautos in Europa könnte aus Sicht des Europäischen Rechnungshofs zum Flop werden.

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Der Europäischen Rechnungshof äußert seine Bedenken hinsichtlich der Batteriefertigung und deren Förderung in Europa. "Die Europäische Batterie-Allianz konzentriert sich weitgehend auf bestehende, nicht auf bahnbrechende Technologien und läuft Gefahr, ihre ehrgeizigen Ziele nicht zu erreichen", monieren die obersten EU-Rechnungsprüfer in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

Mit Blick auf den Umstieg auf Elektroautos wollen die EU-Kommission und auch die Bundesregierung Batteriefertigung im großen Stil in Europa. Bisher werden Batterien überwiegend aus Asien importiert. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte im November angekündigt, bis 2021 eine Milliarde Euro Anschubfinanzierung zu geben.

Der Rechnungshof würdigt in seinem Bericht die Rolle von Batterien als Energiespeicher, die beim Umstieg auf erneuerbare Energien nötig sind. Doch hinke Europa bei der Kapazität zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien für E-Autos hinter führenden Weltregionen hinterher. Da Europa spät in den Markt eintrete, könnte die gewünschte Spitzenstellung schwierig werden, heißt es weiter.

Asiatisch-pazifischer Raum dominiert Batterieherstellung

2018 standen dem Bericht zufolge rund drei Prozent der weltweiten Kapazität zur Batterieherstellung in der EU, zwölf Prozent in Nordamerika und 84 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum. Am Kräfteverhältnis dürfte sich nach Einschätzung der Rechnungsprüfer bis 2021 kaum etwas ändern: Dann werden für Europa fünf Prozent, für Nordamerika 13 Prozent und für Asien 82 Prozent erwartet.

Auch gegen die Förderstrategie für Batterieforschung äußert der Rechnungshof Bedenken: Von 315 Millionen Euro EU-Fördergeldern für Batterieforschung seien mehr als die Hälfte an Projekte zu Lithium-Ionen-Batterien gegangen. Für Batterien "der nächsten Generation" seien nur 25 Prozent der Gelder geflossen. Von 28 im Jahr 2017 von der EU-Kommission bewerteten Forschungsprojekte seien drei erfolgreich und acht weitere teilweise erfolgreich gewesen. 17 verfehlten demnach ihre Ziele oder erbrachten irrelevante Ergebnisse.

Experten äußern sich kritisch zum Batterieantrieb

Im Streit um das Antriebskonzept der Zukunft haben Experten davor gewarnt, ausschließlich auf batteriebetriebene E-Autos zu setzen. Künftig werde es möglicherweise Hybridfahrzeuge geben, die nicht länger mit Verbrenner und E-Motor arbeiteten, sondern mit Brennstoffzelle und Batterie, sagte Bert Hellwig von ZF Friedrichshafen am Montag auf der Hannover Messe. Außerdem sei für die Kunden das Tanken einfacher, das nicht länger dauere als vom Benziner oder Diesel gewohnt, sagte Hyundai-Produktmanager Oliver Gutt. Der koreanische Hersteller Hyundai hat bereits ein Brennstoffzellenauto im Angebot.

Bei der nächsten Batteriegeneration, der sogenannten Feststoffbatterie, gibt es nach Einschätzung von Wolfgang Haselrieder von Battery LabFactory Braunschweig noch "offene Fragen". Bis diese Batterien kommerziell genutzt werden könnten, dürfte es aus seiner Sicht noch zehn bis 15 Jahre dauern. Wasserstoff dagegen sei in anderen Ländern ein großes Thema, betonte Nikolas Iwan von H2 Mobility Deutschland. Bundesweit sollen bis zum Jahresende 100 Wasserstoff-Tankstellen installiert sein, langfristig sollen es rund 400 werden.

VW-Konzernchef Herbert Diess hatte kürzlich für batteriebetriebene E-Autos anstelle anderer Antriebsarten geworben: "Wir müssen uns fokussieren. Technologieoffenheit ist jetzt die falsche Parole und führt nur dazu, den Systemwandel weiter in die Zukunft zu verlegen", sagte er. (dpa)

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KOMMENTARE


Axel Haeberle

01.04.2019 - 18:32 Uhr

Sehr wichtige Informationen für die persönliche aber auch für die gesellschaftliche Meinungsbildung. Arbeitsplätze in D oder EU schützen werden wir dauerhaft nur können, wenn wir den Menschen aufzeigen wie umweltfreundliche Mobilität in Zukunft funktioniert. Eine Mobilität die unseren Wohlstand sichert. Das haben die Asiaten offensichtlich längst verstanden. AH


Stefan Holzinger

01.04.2019 - 19:34 Uhr

Wir haben wohl noch nicht von den Chinesen gelernt. Batterien werden wie damals doe Photovoltaikanlagen mit grünem Glanz und Gloria in Deutschland oder Europa präsentiert und ein Jahr später machen die Chinesen den Markt platt. Auch Her Diess wird seine Lektion lernen aber der wird wahrscheinlich jetzt schon aus China gesteuert.


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