Die verantwortlichen Entscheider zusammenzubringen und das Schadenmanagement in Deutschland gemeinsam weiterzuentwickeln ist der erklärte Auftrag der Netzwerkstatt des Bundesverbands der Partnerwerkstätten (BVdP) e.V. Ein Konzept, das aufgeht, hat sich die Veranstaltung doch längst als einer der wichtigsten Branchentreffs etabliert. Auch 2019 kamen 350 Teilnehmer ins Hotel La Strada in Kassel und sorgten für ein volles Haus – obwohl es laut BVdP-Geschäftsführer Robert Paintinger deutlich mehr Interessenten gibt: "Die Warteliste derer, die sich nicht rechtzeitig angemeldet haben, wird jedes Jahr länger. Die Netzwerkstatt soll aber auch in Zukunft ihrem Namen Ehre machen und ein Forum für Networking und persönlichen Austausch bieten."
Mehr bieten als andere
Unterstützt wurde dies einmal mehr durch ein klar strukturiertes, nicht zu überladenes Programm, das dem Netzwerk-Gedanken genügend Raum ließ und den besonderen Charakter des BVdP-Branchentreffs unterstrich. Zentrales Thema in Kassel war das Leistungsversprechen m.o.r.e. (mein optimales Reparaturerlebnis) in all seinen Facetten. Sowohl gegenüber dem Auftraggeber als auch dem Endkunden Autofahrer sollen die Instandsetzungsbetriebe ihre Kompetenz signalisieren: Wir sind in der Lage, Dein beschädigtes Fahrzeug nicht nur fachgerecht instand zu setzen, sondern Dir einen rundum qualifizierten und positiven Service zu bieten – mehr als andere Werkstätten.
Um dieses Bild glaubhaft zu vermitteln, unternimmt der BVdP eine ganze Menge in Sachen Optimierung nach innen und außen. Vom qualitätsgesicherten Schadenprozess per QualiCheck über die gemeinsame Auswahl des im ökonomisch und ökologischen Sinne besten Reparaturwegs (EcoRepair) bis hin zum Aufdecken individuellen Verbesserungspotenzials durch intensive Betreuung, Best-Practice-Zirkel und Vor-Ort-Schulungen in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern.
Programmieraufwand nicht unterschätzen
Diese waren auch in beiden Talkrunden in Kassel vertreten und sprachen Klartext. Erik Jahn (Audatex), der für Jürgen Schmidt eingesprungene Steffen Struwe (riparo), Jens Nietzschmann (DAT) und Uwe Schmortte (ICamSystems) beleuchteten gemeinsam die Chancen aber auch Schwierigkeiten auf dem Weg in die digitale Zukunft. So sei ein Prozess wie QualiCheck, in dem Kostenvoranschläge sowohl automatisiert als auch durch qualifizierte Sachverständige gemeinsam mit den Werkstätten geprüft werden, ein echter Schritt nach vorne: "Wir gehen in den Dialog und setzen bewusst noch vor der eigentlichen Reparatur an, um Diskussionen und Rechnungskürzungen nach der Instandsetzung zu vermeiden", betonte Schmortte.
Wie viel Arbeit hinter "diesen paar Klicks" steckt, bis Pilotkunden wie riparo einen größtenteils reibungslosen Ablauf im Werkstattalltag vermelden können, machten die großen Kalkulations- und Datenanbieter gemeinsam deutlich: "Der Aufwand, die Betriebe in Online-Prozesse einzubinden war deutlich größer als erwartet", räumte Erik Jahn, Leiter Operations/Customer Care und Mitglied der Geschäftsleitung bei Audatex AUTOonline, ein.
Schützenhilfe bekam er von DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann: "Bis die erste Zeile Code geschrieben werden kann, ist man mit einer Unmenge von Spezifikationen beschäftigt. Wir bedienen insgesamt über 650 Schnittstellen, darunter 65 verschiedene Werkstatt-Softwaresysteme." Zur großen Freude der Besucher versprachen Jahn und Nietzschmann, im Sinne künftig noch geschmeidigerer Abläufe ihre eigenen Produkte zu harmonisieren und auf mehr Kompatibilität zu setzen.
Jede Werkstatt ist ein Botschafter
Viel Lob erfuhr auch das BVdP-Konzept m.o.r.e. in Talkrunde 2 am Nachmittag. Gerade in der individuellen Ausgestaltung durch die Betriebsinhaber liege die große Chance: "Glaubwürdigkeit funktioniert nur bedingt über technische Details und große Werbebudgets. Wichtig ist, Kunden neugierig zu machen und die Idee von m.o.r.e. gemeinsam mit Leben zu erfüllen und nach außen zu tragen", so der Tenor in Kassel.
Matthew Whittall, Vorstandsvorsitzender der Innovation Group, zeigte sich überzeugt: "Wichtig ist der neutrale, aber professionelle Auftritt. Oft genug wurde in Technik und Prozesse investiert, während die Außenwirkung zu wünschen übrig ließ. Empfehlungen, ob im Bekanntenkreis, oder durch Versicherungssachbearbeiter oder Schadensteuerer funktionieren aber nur auf der Basis von Vertrauen. Dazu braucht es Qualität und eine gute Marke."
Skeptischer gab sich Thomas Geck, Leiter Schaden Prozessmanagement HUK-Coburg: "Wir setzen mit der Partnerwerkstatt auf ein Konzept, das über die komplette Breite der Betriebe funktioniert und haben Millionen Kundenkontakte. Ob sich ein Gütesiegel wie m.o.r.e etablieren kann, ohne es zentral zu befeuern, bleibt abzuwarten." (kt)