"Realistische Ansätze für eine sichere Gestaltung von Straßen in der nahen Zukunft": So lautete der Ergebnisanspruch des diesjährigen DIQ-Symposiums in Weimar. Prof. Dr.-Ing. Peter König von der Hochschule Trier, der den insgesamt 6. Fachkongress des Deutschen Instituts für Qualitätsförderung e. V. (DIQ) leitete, formulierte abschließend die wichtigsten Denkansätze, die das Symposium herausgearbeitet hatte: "Wir haben eine ganze Reihe Ansätze gesehen, wie auch mit kleinem Geld Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt werden können, die signifikant zur Steigerung der Verkehrssicherheit beitragen, oder wie neueste Konzepte für Parkhäuser den ruhenden Verkehr aus den Innenstädten entfernen und damit zu einer völlig neuen Lebensqualität führen."
Plädoyer für Experten-Netzwerk
Die entsprechend notwendigen Technologien sind nach Ansicht König’s allesamt vorhanden. "Was wir brauchen, ist aber ein landesweites Netzwerk vom Verkehrsminister über die Behörden, die Polizei, bis hin zum Gemeinderatsmitglied, in dem gemeinsam und konsequent Schritt für Schritt weiterführende Maßnahmen definiert und über alle Zuständigkeits- und Budgetgrenzen hinweg umgesetzt werden", so König weiter.
Eine klare Ansage richtete er an alle mit dem Thema Straßen und Verkehrssicherheit befassten Menschen: "Wir müssen an einem Strang ziehen, um uns selber eine moderne und sichere Mobilität der Zukunft zu ermöglichen."
Die Empfehlungen und Forderungen des Symposiums wurden insgesamt klar formuliert. DIQ-Geschäftsführer Thomas Koch und Prof. König stellten sie im Detail vor: "Wir brauchen massive Investitionen in moderne Verkehrsleitsysteme, wie etwa bedarfsgesteuerte Ampeln mit LED-Technik, die man eben nicht mehr abends ausschaltet, um Strom zu sparen. Wir brauchen eine optimale Abstimmung von Bus, Bahn, Leihfahrrädern, Fahrradparkhäusern mit Pedelec-Ladestationen, mit Fahrradschnellwegen, damit diese alternativen Verkehrsarten so attraktiv werden, dass sie auch genutzt werden. Wir können die Leute nicht dazu zwingen, mit dem Fahrrad zu fahren, wir müssen sie regelrecht locken. Sie müssen einen Vorteil für sich erkennen! Positive Beispiele können wir bei unseren Nachbarn in den Niederlanden sehen."
Als notwendig wurde außerdem der "parteiübergreifende, politische Wille" erachtet, ferner die "Ausdauer, wie wir es in den Niederlanden und in Schweden sehen, um eine flächendeckende Anpassung unserer Landstraßen und Innenstädte gemäß der vorhandenen Erkenntnisse der Wissenschaft vorzunehmen".
Mit der RAL 2013 habe man außerdem eine Richtlinie für die Anlage von Landstraßen; gemäß der Erfahrungen aus dem Ausland wisse man, "dass wir durchgängig etliche Leben retten können, wenn wir die RAL auch anwenden und die Landstraßen umbauen. Dies passiert aber viel zu wenig", so Koch und König übereinstimmend. In Deutschland kenne man Verkehrsschauen sowie Unfallkommissionen, zudem seien Sicherheitsaudits bei jedem Umbau einer Straße vorgesehen, aber: "Nur wenige Kommunen setzen diese Werkzeuge konsequent ein!"
"7. Sinn weder einführen!"
Das Credo des DIQ beschrieben die beiden Experten wie folgt: "Wir wollen das Bewusstsein in den Köpfen der Verantwortlichen auf allen Ebenen und in der gesamten Gesellschaft schärfen, dass sich diese Investitionen für jeden von uns unmittelbar lohnen. Wir müssen gemeinsam an dieser Vision ,sichere Verkehrswege 2030’ arbeiten."
Dafür müsse jedoch die gesamte Gesellschaft einbezogen werden – in öffentlichen Diskussionen, Informationen in Schulen, durch Wiedereinführung der Fernsehsendung "Der 7. Sinn" und durch die Unterstützung der Presse, "um regelmäßig aufzuklären und Informationen zu diesen Themen zu verbreiten".
"Können uns nicht jedes Jahr einen 11. September auf den Straßen leisten"
Die Dimensionen der Menge an Verkehrstoten auf deutschen Straßen verdeutlichte der Professor König in provokanten Sätzen: "Wir erlauben uns jedes Jahr einen 11. September auf unseren Straßen. Das dürfen wir gar nicht akzeptieren! Hier müssen wir aktiv werden."
Das diesjährige DIQ-Symposium in Weimar war mit fachkundigen Referenten besetzt. Vorträge hielten auf der Veranstaltung neben Professor Dr.-Ing. Peter König von der Hochschule Trier auch der Autojournalist Detlef Krehl, Dr. Christoph Hecht vom ADAC in München, Detlef Schumann vom Consulting-Unternehmen BridgingIT GmbH aus Mannheim, Dr.-Ing. habil. Ilja Irmscher von der Gesellschaft für Innovative VerkehrsTechnologie mbH (GIVT) aus Berlin, Ute Hammer vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR) aus Bonn und Dipl.-Ing. Ingo Mlejnek vom Landesamt für Bau und Verkehr in Thüringen aus Erfurt.
Das Deutsche Institut für Qualitätsförderung e. V. will sich auch weiterhin der Sicherheit auf unseren Straßen widmen. Das 7. DIQ-Symposium wird in Frankenthal in der Pfalz stattfinden. (wkp)
DIQ-Expertenforum: Wie werden die Verkehrswege bis 2030 sicher(er)?

Das 6. Symposium des Deutschen Instituts für Qualitätsförderung e. V. (DIQ) in Weimar hatte die Verkehrswege Deutschlands zum Thema. Wie immer wurde das Thema interdisziplinär betrachtet.