Bis auf den allerletzten Platz gefüllt war der große Saal 1 im Congress Center Leipzig (CCL), als am vergangenen Dienstag Geschäftsführer Jens Ringel und Franz Gündel als Leiter des Schaden- & Betrugsmanagements der Versicherungsforen Leipzig GmbH den diesjährigen Messekongress Schadenmanagement & Assistance (MKS) eröffneten. Mit 1.350 Teilnehmenden und mehr als 90 Ausstellern gilt die Veranstaltung einmal mehr als absolutes Highlight der Schadenbranche. Ringel und Gündel sprachen zunächst über die aktuellen Herausforderungen der Versicherungsbranche – und bekamen dabei digitale Unterstützung, einem KI-Avatar von Jens Ringel, erstellt von go AVA. Der Avatar beantwortete live Fragen zum Programm und Ablauf – und wirkte dabei schon ziemlich echt.
Kritisch-pointierter Kongresseinstieg
Das Auftakt-Interesse galt zweifellos aber auch dem anschließenden Keynote-Speaker Herbert Fromme. Der Herausgeber des Versicherungsmonitor und Versicherungskorrespondent der Süddeutschen Zeitung ist unzweifelhaft der hierzulande best informierte Journalist bei allen Management- und Sachthemen der Assekuranzwirtschaft. Fachkundig, pointiert und unterhaltsam beschrieb er die wichtigsten Herausforderungen der Branche und brachte auch mögliche Lösungsansätze mit ein.
Lebensversicherer bereits vor der Abwicklung?
Neben der welt- und innenpolitischen Lage, die immer auch Auswirkungen auf die Versicherer hat, sieht Fromme das Problem durchaus in der Branche selbst. Zum einen nehme sie sich wichtiger, als sie tatsächlich sei. "In Wahrheit werden die Versicherer immer unwichtiger", so Fromme. Beispielsweise könnten sie Industrieunternehmen nur noch in geringem Umfang bei der Absicherung von Risiken helfen. Auch im privaten Bereich verliere die Schaden- und Unfallversicherung an Bedeutung. Der Lebensversicherung prophezeite er gar die Abwicklung.
Sorgenkind IT
Als Kernproblem der deutschen Versicherer identifizierte Herbert Fromme den Zustand der IT. "Die ist – freundlich ausgedrückt – in keinem guten Zustand." Weitere Probleme seien die Zersplitterung des Marktes, die Marktmacht (auch als "Gier" bezeichnet) der Vertriebe, hohe Kosten, das schlechte Image der Branche sowie mangelnde Führungsqualität selbst auf Vorstandsebene der Versicherungsunternehmen.
Marktkonsolidierung ante portas
Wie können diese Probleme gelöst werden? Auch dazu präsentierte der renommierte Journalist und langjährige Branchenkenner Ideen. Zum einen müsse und werde es Marktkonsolidierungen und Kostensenkungen geben. Zum anderen gelte es, den gestiegenen Kundenansprüchen an digitale Prozesse gerecht zu werden. Wichtig sei auch eine Vertrauensoffensive mit transparenter Schadenkommunikation, einfachen digitalen Prozessen, höherer Reaktionsgeschwindigkeit und dem Zulassen echter Kundenbewertungen.
Nach dieser schonungslosen Zustandsbeschreibung gab Herbert Fromme den Teilnehmenden des Messekongresses zum Abschluss seines Vortrags noch mit auf den Weg: "Die Branche hat viel vor sich. Aber ich habe sehr viel Zuversicht."
