Die Automobil-Branche unterliegt aktuell einem immensen Transformationsdruck: Händler sehen den größten Anpassungsbedarf im Bereich Digitalisierung. Für die Hersteller steht dagegen die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte und Geschäftsmodelle im Vordergrund.
Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) in ihrer Studie "Stimmungsbarometer Automotive 2021". Für diese wurden rund 200 Manager aus den verschiedenen Bereichen der Kfz-Branche (Hersteller, Zulieferer, Handel) befragt. Die Digitalisierung, die Entwicklung neuer Mobilitäts- und Geschäftsmodelle sowie der Innovationsdruck hinsichtlich neuer Antriebstechnologien kristallisierten sich dabei über alle drei Bereiche hinweg als die Aspekte mit dem größten Anpassungsbedarf heraus. Im Detail gibt es dabei aber durchaus Unterschiede: So verspürt etwa der Handel beim Thema Digitalisierung den größten Druck. Hersteller hingegen sehen bei neuen Mobilitätskonzepten und Geschäftsmodellen den meisten Handlungsbedarf während Zulieferer die größte Dringlichkeit in der Innovation neuer Antriebstechnologien durch die verschärfte Emissionsgesetzgebung erblicken.
Weitere Bereiche, in der die Branche laut Studie großen Transformationsdruck spürt, sind unter anderem der Druck von Öffentlichkeit und Geldgebern hin zu mehr Nachhaltigkeit, neue Vertriebsmodelle wie etwa Direktvertrieb und Auto-Abos sowie der HR-Bereich (Belegschaft, Qualifikation, Standorte).
Zwei Drittel fühlen sich gut vorbereitet
Über alle drei Teilbereiche der Kfz-Branche hinweg sehen sich die Befragten jedoch überwiegend gut auf die verschiedenen Transformationsthemen vorbereitet: Beispielsweise sehen immerhin 66 Prozent der Befragten ihr Unternehmen in Bezug auf die anstehenden Veränderungen beim Thema Digitalisierung als gut vorbereitet an. Nachholbedarf sehen 28 Prozent. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der Entwicklung neuer Mobilitäts- und Geschäftskonzepte: 65 Prozent der befragten Unternehmen fühlen sich gut vorbereitet, während 30 Prozent noch Verbesserungspotenzial sehen. Den Studienautoren zufolge fühlen sich Zuliefererbetriebe im Branchenvergleich am wenigsten gut auf den Transformationsdruck in den verschiedenen Bereichen vorbereitet: Nur 55 Prozent der befragten Zulieferer fühlen sich beispielsweise gut auf die Digitalisierung vorbereitet. Von den befragten Händlern sagen das immerhin 62 Prozent.
Überraschend auch: Der Autohandel fühlt sich mit Abstand am besten für neue Vertriebsmodelle wie Direktvertrieb und Auto-Abo gerüstet. 73 Prozent der Befragten sehen sich hier bereits gut aufgestellt. Bei den Herstellern und Zulieferern konnten das nur 58 und 45 Prozent von sich behaupten.
Neben der Frage, wo die Unternehmen den größten Transformationsbedarf sehen, wollten die Unternehmensberater von PwC in der Umfrage auch wissen, wohin die Investitionsbudgets fließen. Grundlage hierbei waren die so genannten CASE-Dimensionen. Diese stehen für Connectivity, Autonomes Fahren, Smart Mobility und Elektrifizierung. Ergebnis: In allen vier Dimensionen sind höhere Ausgaben geplant. Im Fokus steht aber eindeutig die E-Mobilität. Sowohl die Hersteller (54 Prozent) als auch die Zulieferer (43 Prozent) und der Handel (48 Prozent) wollen hier ihren Investitionsschwerpunkt legen. Auf Platz zwei folgt mit deutlichem Abstand das autonome Fahren. Von den befragten Managern sehen auf Herstellerseite 19 Prozent hier ihren Fokus. Bei den Zulieferern und im Handel sind es jeweils 16 und 23 Prozent.
Große Skepsis gegenüber Frauen in Führungspositionen
Ein weiteres Thema der Umfrage: Frauen in Führungspositionen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil derer, die einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen als Chance und willkommene Modernisierung sehen von 44 auf 50 Prozent. Nichtsdestotrotz sehen 33 Prozent der Befragten eine höhere Anzahl von Frauen in Führungsetagen noch immer als Hemmnis für die strategische Ausrichtung eines Unternehmens. Laut Umfrage ist der Anteil der Skeptiker im Branchenvergleich im Autohandel mit 42 Prozent am größten.