Nach Einschätzung von Experten wird sich der Aufschwung auf dem US-Automarkt 2011 verlangsamen. Das Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen (IFA) prognostiziert aufgrund der unsicheren gesamtwirtschaftlichen Situation nur einen leichten Anstieg auf zwölf Millionen Neuwagenverkäufe. Im vergangenen Jahr hatte sich der US-Markt überraschend stark erholt. Das IFA erwartet insgesamt 11,7 Millionen Einheiten, was einem Zuwachs von 12,5 Prozent entspräche. Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 wurden in den USA nur 10,4 Millionen Autos neu zugelassen.
Neben der anhaltenden Krise im Immobiliensektor würde 2011 vor allem die hohe Arbeitslosigkeit das amerikanische Konsumklima beeinträchtigen, konkretisierte Institutsdirektor Willi Diez. Negativ werde sich auch der steigende Ölpreis auswirken, der sich "über kurz oder lang" in wieder anziehenden Spritpreisen niederschlage. Zudem seien keine wesentlichen modellpolitischen Impulse erkennbar. Diez rechnet daher mit einem wieder steigenden Preisdruck und tendenziell sinkenden Gewinnmargen. Die absehbare Wachstumsabschwächung dürften die US-Amerikaner als "gefühlten Abschwung" wahrnehmen, so der Experte.
Immerhin: Der US-Autokonjunktur wird derzeit von der "Politik des billigen Geldes" stabilisiert. In den günstigen Finanzierungskonditionen für Käufer mit geringer Bonität (Subprime) sieht das IFA aber einen Rückfall in Zeiten vor dem Ausbruch der Finanzkrise, als starke Kaufanreize den dortigen Automarkt aufgebläht hatten.
"Light Trucks" als Marktgewinner
Strukturell kehrt der amerikanische Automarkt auf das Vorkrisenniveau zurück. Vor dem Hintergrund vergleichsweise niedriger Kraftstoffpreise waren 2010 wieder Geländewagen und Pick-ups gefragt. Die so genannten "Light Trucks" legten zwischen Januar und November um 18,1 Prozent zu. Dagegen verloren Hybridautos (minus 7,6 Prozent) und Kleinwagen (minus zwei Prozent) an Bedeutung. (rp)